04.06.2013

AR: Ein Vorstandsmitglied von GREY2K USA berichtet über Greyhound- Rennen in Argentinien

Ein Vorstandsmitglied von GREY2K USA berichtet über Greyhound- Rennen in Argentinien



Charmaine bei den Rennen des Navarro Clubs in Argentinien
In den vergangenen Jahren hat Charmaine Settle, Vorstandsmitglied von GREY2K USA, die Situation der Greyhound- Rennen in vielen Teilen der Erde untersucht. Hierzu gehörten u.a. auch Vietnam, Macao, Neuseeland und Australien. In diesem Februar hat sie sich die Situation in Argentinien vorgenommen. Folgend finden Sie einen Auszug aus ihrem Bericht. Fotos, die sie während ihres Aufenthaltes gemacht hat, können Sie HIER sehen.

Charmaines Zusammenfassung ihrer Untersuchung startet mit der Beschreibung der Rahmenbedingungen dieser organisierten Rennen:
"Am 17. Februar habe ich ein Auto mit Fahrer gemietet, der mich von meinem Hotel in Buenos Aires auf das Land hinaus, in die Nähe der Stadt Navarro bringen sollte. Der Navarro Galgo Club veranstaltete ein Sonntagstreffen, abseits einer abgelegenen staubigen Straße, die sehr schwer zu finden war, wenn sie diesen Ort nicht vorher schon kannten. Es handelte sich um ein nicht kommerzielles, organisiertes Treffen in der Mitte eines Feldes auf einer kleinen, selbst angelegten Rennbahn. Uns wurde erzählt, dass diese zwanglosen Galgorennen das ganze Jahr über an Sonntagnachmittagen auf dem Land stattfinden, jede Woche in einer anderen Gegend und von einem anderen Galgoclub organisiert.“
Charmaine beschreibt dann weiter die generelle Szene rund um die Rennen:

"Nachdem wir die Eintrittsgebühr bezahlt hatten, konnten wir direkt zur Veranstaltung weiterfahren. Es sah aus wie bei einem nachbarschaftlichen Grillfest an einem sonnigen Sonntagnachmittag, mit Familien, Freunden und natürlich Galgos. Die Leute waren alle sehr freundlich und ich konnte auf dem Gelände herumbummeln, obwohl dort niemand Englisch sprach. Die meisten Leute hatten mehrere Hunde dabei, um sie auf der geraden Rennstrecke in der Mitte des Feldes laufen zu lassen. Das grundsätzliche Gefühl war, dass für die Mehrheit der Besitzer die Hunde einfach nur Hobby war, ein einfacher Weg, um am Wochenende ein wenig zusätzliches Geld zu verdienen. Die Oberfläche der Bahn sah überraschend gut aus, lockere Erde, die nach jedem Rennen neu bewässert wurde. Ungefähr dreihundert Zuschauer unterschiedlichen Alters standen an der Abgrenzung und schauten den Rennen zu, die zwischen 12:00 Uhr Mittag und 15:00 Uhr durchgeführt wurden. Die jüngsten Hunde liefen zuerst."


Die gerade Rennstrecke nutzt ein Stopplicht

Als nächstes kommentiert Charmaine die Rennen selber:
"Nicht weniger als zwölf Hunde treten in jedem Rennen gegeneinander an. Die Bahn verfügt über eine Ampel neben der Bahn, die die Freigabe bzw. die Sperrung der Rennstrecke anzeigt, sowie eine Kamera am Ende der Bahn. Es gab kein Kabelsystem, die Hunde jagten einfach hinter einer Papiertüte an einem Seil hinterher. Vor jedem Rennen wurden die Hunde hinter einem niedrigen Zaun herumgeführt, so dass die Leute sie sehen und ihre Wetten auf den Hund ihrer Wahl abgeben konnten. In der Zwischenzeit schrie ein Mann, der sich wie ein Auktionator anhörte, laut und deutlich die Eigenschaften und Vorzüge jedes einzelnen Hundes heraus, der an dem jeweiligen Rennen teilnehmen sollte. Die jeweiligen Namen und Startnummern waren auf einer Tafel, die an einem Baum hing, zu sehen. Wetten wurden unter den Anwesenden oder gegen den Club selbst abgeschlossen. Nachdem jeder seine Wette abgegeben hatte, wurden die Hunde zu den Startboxen gebracht."
Charmaine fragte die Teilnehmer über das endgültige Schicksal dieser Hunde, erhielt aber nicht viel Informationen hierzu:
"Uns wurde gesagt, dass die Hunde bis zum Alter von 5 bis 6 Jahren Rennen bestreiten und einige werden danach für die Zucht eingesetzt. Was mit den anderen Hunden geschieht blieb unklar und niemand wollte hierzu eine klare Antwort geben. Uns wurde später erzählt, dass die argentinischen Rancher sehr interessiert an Galgos sind, für die Arbeit auf dem Feld."
Sie war auch tief beunruhigt als sie Zeuge wurde, wie Besitzer ihre Hunde geschlagen haben und auch über ihre generelle Einstellung zu den Rennhunden:
"In einigen wenigen Fällen sahen wir Leute, die ihre Hunde freundlich behandelten, aber viele Besitzer haben ihre Hunde physisch getadelt. Als Antwort auf ein nicht gewünschtes Verhalten der Hunde, haben die Besitzer die Hand über den Kopf der Hunde gehoben und sie mit der Hand, der Leine oder dem Maulkorb ins Gesicht geschlagen. Der offensichtliche Grund, warum die Schläge ins Gesicht erfolgen ist, dass der Körper, wichtig für das Rennen, nicht beschädigt wird. Es tat mir weh mit ansehen zu müssen, wie diese Hunde geschlagen wurden. In den meisten Fällen wurde den Hunden weder Beachtung noch Zuneigung gezeigt. Sie schienen für ihre Besitzer unsichtbar zu sein, gerade mal ein Gegenstand, um hoffentlich etwas zusätzliches Geld einzubringen."


Ein Rennhund wird im Kofferraum eingesperrt

Von all den Zuständen, von denen Charmaine berichtet, ist wohl die Art und Weise wie die Hunde zu den Rennveranstaltungen transportiert werden am besorgniserregendsten:
"Am beunruhigsten war das Verhalten einzelner zu sehen, die ihre Hunde für den Transport in den kleinen Kofferraum sperrten, im Gegensatz zu anderen, die immerhin hölzerne Transportbehälter auf Anhängern hinter ihrem Auto hatten und wieder anderen, die ihre Hunde auf dem Rücksitz ihrer Autos transportierten. Diese Personen transportieren die Hunde von ihrem Zuhause zu den Rennen im Kofferraum ihrer Autos, lassen mehrere Hunde dort bis zum Beginn ihres jeweiligen Rennens und stecken sie nach dem Rennen wieder hinein. Die Hunde bleiben dann für Stunden dort eingesperrt während die Besitzer sich in die Menge stürzen und sich am Barbecue erfreuen."
Schließlich schreibt Charmaine auch über die Rennhundwelpen, die sie für den Verkauf sah und ihr eine traurige Perspektive über die Zukunft dieser Tätigkeit gibt:


Rennhundwelpen stehen zum Verkauf

"Ich habe auch eine Menge Welpen in Käfigen für den Verkauf gesehen. Sie starren aus ihren Käfigen direkt in ihr neues elendiges Leben voll von Vernachlässigung und anschließendem Tod. Ich bin sehr beunruhigt, weil die Aussichten hier schrecklich sind, weil diese Rennveranstaltungen wohl noch viele Jahre weitergehen werden, weil die Tradition von Generation zu Generation weitergegeben wird. "
Obgleich es sich hier nicht um die bekannten großen kommerziellen Hunderennen, die wir so kennen, handelt, werfen diese zwanglosen Rennen schwerwiegende Fragen auf. Es ist wichtig zu verstehen, dass eine lange Beziehung zwischen diesen Rennen in Argentinien und den kommerziellen Greyhound- Züchtern in unseren Ländern besteht, die auch einige ihrer früheren Rennhunde nach Argentinien senden.

Wie immer sind wir für Charmaines Bericht über diesen wichtigen Punkt dankbar. Ihre Arbeit ist einer der vielen Gründe, warum ich stolz bin als Executive Director für GREY2K USA tätig sein zu dürfen.


Quelle: http://blog.grey2kusa.org/2013/05/grey2k-usa-board-member-reports-on.html
Übersetzung: Hey W.



Anmerkung zur Übersetzung:
Wir bemühen uns, die Originaltexte nach bestem Wissen und Gewissen sinngemäß zu übersetzen und inhaltlich korrekt wieder zu geben. Wir sind uns bewusst, dass es hierbei durch Interpretationsspielräume zu Fehlern kommen kann und weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir für die übersetzten Texte keine Gewähr übernehmen können. Es gilt immer der als Übersetzungsgrundlage dienende Originaltext. Sollte uns ein Fehler unterlaufen sein, so bitte wir, dies zu entschuldigen und würden uns über einen konstruktiven Korrekturvorschlag an info@progreyhound.de sehr freuen.

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