Die Haltung eines Greyhounds

Wissenswertes über einen ehemaligen irischen Profi-Renn-Greyhound

„Einen Greyhound zu halten, das war schon immer mein Traum, aber ich habe leider nicht die Zeit und bin nicht so sportlich, um ihm die tägliche stundenlange Bewegung zukommen zu lassen, die so ein Windhund braucht.“
An dieser Stelle möchten wir mit dem Vorurteil, entstanden aus Fehlinformationen über die Haltung eines Greyhounds, aufräumen. – Wir möchten dieses und andere Vorurteile, mit denen die Greyhounds zu kämpfen haben, widerlegen.

Deshalb wollen wir in diesem Kapitel die Haltung des Greyhounds beschreiben, resultierend aus den Erfahrungen, die wir in jahrelangem Zusammenleben mit diesen Hunden machen durften.

Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf einen nicht traumatisierten Greyhound. Als solcher ist er im Haus ein gutmütiger und leicht zu haltender Hund. Der Greyhound bellt sehr wenig, da er keinen Wach- und Schutztrieb hat. Er strahlt viel Ruhe und Sanftmütigkeit aus. Seine Leinenführigkeit ist sprichwörtlich und, wer zuvor einen an der Leine zerrenden Hund gewohnt war, wird sich neben einem Greyhound wie auf Wolken fühlen. Die meisten Greyhounds fahren auch sehr gerne Auto.

Jedoch findet man charakterlich und wesensmäßig unterschiedliche Typen, wie bei uns Menschen und allen anderen Lebewesen auch. Je nach Temperament und durchlebter Vergangenheit bei ihren Trainern in Irland gibt es sensiblere Exemplare oder sehr lebhafte, bis hin zu ganz gelassenen Philosophen. Manche bellen sogar nie, so dass man ihre Stimme kaum kennt. Der Greyhound ist sehr anpassungsfähig und eigentlich anspruchslos, dabei sehr anhänglich an seine Menschen. Er ist nicht aggressiv, freundlich auch zu fremden Menschen und Kindern und von ausgeprägter Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Lebenssituationen. Greyhounds lieben die Bequemlichkeit. Sie schätzen es sehr, wenn man ihnen ein weiches Hundebett anbietet und haben auch keinerlei Hemmung, das Sofa oder das weiche Bett ihrer Menschen zu benutzen. Sie merken sich sehr schnell, was man ihnen erlaubt und was nicht und nutzen, wie alle Hunde, Inkonsequenz schamlos aus. Trotz ihrer Sanftmut, und auch wenn sie kaum etwas falsch machen, brauchen sie wie alle Hunde eine stabile und konsequente Führungsperson, die sagt, wo es lang geht, auf die sie sich verlassen können, der sie vertrauen und die sie beschützt. Ein stabiles intaktes Umfeld ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil sich so unterschiedlichste Haltungsprobleme erst gar nicht einstellen und der Greyhound sich so sicher und geborgen fühlt.

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Mit seinesgleichen oder anderen Windhundrassen fühlt sich der Greyhound sehr verbunden, akzeptiert auch sofort fremde Windhunde und begegnet ihnen mit erstaunlicher Vertrautheit. Man spürt förmlich, dass sie voneinander wissen und sich gleichen. Auch zu fremden andersrassigen Hunden sind Greyhounds in der Regel freundlich und bei Begegnungen mit ihnen nicht auf Streitigkeiten aus, wie man das von vielen anderen Hunderassen kennt. Hat man einen Greyhound erst vor kurzer Zeit aufgenommen und kennt ihn noch nicht so gut, so ist bei Begegnungen mit sehr kleinen und flinken Hunden aber Umsicht und Vorsicht angebracht, und es wird die Verwendung eines Maulkorbes empfohlen, wenn man mit Greyhounds unerfahren ist. Kleine, sich flink und hektisch bewegende Hunde kommen dem Beuteschema des Greys optisch sehr nahe und könnten den Hetztrieb auslösen. Ebenso gehören Katzen und andere Kleintiere wie Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen etc. zum Beuteschema des Greyhounds. Hinter ihnen musste/durfte er in den Jahren zuvor hinterherrennen. Man muss sich vorstellen, dass ein Greyhound in seiner eigenen Welt zwischen Rennbahn und Kennel lebte, in der es Geräusche, Tiere, Gegenstände, Wohnungen etc., die unsere Welt prägen, nicht gab und mit denen sie als Welpen während ihrer Prägungsphase nicht konfrontiert wurden. Gemessen daran ist es über alle Maßen erstaunlich, wie schnell und ohne große Komplikationen diese Hunde sich in unserer Umgebung zurechtfinden. Sie „fallen“ praktisch schlagartig nach ihrem Transport in eine völlig neue, unbekannte Welt und meistern dies zu 80% hervorragend. Was sie brauchen sind etwas Zeit und Geduld, um diese neue Umgebung kennen zu lernen. Meist genügen nur ein paar Wochen, bis sie die Umweltreize verarbeitet haben und verstehen. Sie sind wunderbare, in Charakter und Optik edle Begleiter, die auch von Freunden und von den Menschen auf der Straße geliebt und bewundert werden.
Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es Greyhound-Rüden oder –hündinnen, die evtl. anfangs sehr ängstlich sind und die Welt nicht nur staunend, sondern panisch betrachten. Viele wurden sehr schlecht behandelt und konnten dies nicht so leicht wegstecken, wie ihre etwas gelasseneren Rassegeschwister. Hier braucht es Zeit, Liebe und Geduld. Hat man die anfängliche schwierige Zeit gemeinsam mit diesem Hund überstanden, ihm das verlorene Vertrauen wieder gegeben, ihm gezeigt, wie schön das Leben noch sein kann, dann schweißt dies umso mehr zusammen und diese Bindung ist erfüllend, bewegend und einzigartig.

Die Bewegung
Es ist nicht notwendig einen Greyhound täglich stundenlang zu trainieren. Greyhounds sind passionierte Couchpotatos, die sehr schnell zu erkennen geben, dass sie als Liegeplatz das Sofa, den Sessel oder noch schöner, das Bett, als sehr geeignet für sich empfinden. Wenn ihr Alltag als Rennhund noch nicht sehr lange zurückliegt, wirken viele Greyhounds sogar in den ersten Tagen bei den Spaziergängen überfordert, weil sie es nicht kennen, eine oder zwei Stunden zu Fuß im Schritttempo zu gehen. Wenn sie sich an die Spaziergänge aber gewöhnt haben, so sind sie genauso wie jeder andere Hund, vor Freude kaum zu halten, wenn die Zeit des täglichen Ausgangs näher rückt. Der tägliche Auslauf mit einem großen Hauptspaziergang an der Leine – bitte keine Flexi-Leine verwenden!! – von 1 bis 1 ½ Std. ist absolut ausreichend. Der Freilauf ist ein viel diskutiertes Thema. Gärten und Grundstücke bieten einen Vorteil, weil natürlich der Freilauf eines Greyhounds in einem gut gesicherten größeren Grundstück wie dem eigenen Garten oder einem Windhundauslauf, einem eingezäunter Hundeübungsplatz oder dergleichen am unproblematischsten ist. Darin können sich die Greys ein oder zweimal die Woche auslaufen, d.h. im gestreckten Galopp ein paar Runden drehen. Es gibt einige Greyhounds, die gerne Bällen hinterher laufen oder mit Stofftieren spielen und zu Suchspielen angeleitet werden können. Dies gelingt auch auf einem kleinen Grundstück. Viele Tierschutz-Vereine, die Windhunde vermitteln, bieten auch Gelegenheiten zu einem gemeinsamen Spaziergang mit Freilauf an.
Nach einem langsamen Konditionsaufbau kann man den Greyhound auch zur Jogging-Runde mitnehmen oder zum „Fastwalken“, wenn das nicht bei sengender Hitze oder strömendem Regen stattfindet.

Gesundheit und Pflege
Der Greyhound ist insgesamt gesehen ein Hund, der keine rassebedingten Krankheiten zeigt, wie etwa viele andere Hunderassen. Im Leben eines aktiven Rennhundes mit wöchentlichen Einsätzen oder Trainingseinheiten, kann es zu Überbelastungen von Gelenken kommen, je nach Anzahl der absolvierten Rennen. Dies ist vergleichbar mit Abnutzungserscheinungen in den Gelenken bei Fußballern oder Hochleistungssportlern. Dadurch kann sich später, im fortgeschrittenen Alter, eine Arthrose entwickeln, was bei den meisten Hunden aber nicht zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen muss. Der Hund muss ja als Familienhund keine sportlichen Höchstleistungen mehr erbringen. Überdies gibt es für diese Erkrankung zahlreiche Behandlungsmethoden. Das vernünftig bemessene Maß an Bewegung, entsprechend dem Alter des Hundes, ist für die Beweglichkeit des Hundes entscheidend.
Der Greyhound hat als ehemaliger Hochleistungssportler ein etwas leistungsfähigeres Herz-Kreislauf-System und weist in den meisten Fällen abweichende Schilddrüsenwerte auf, die aber bei ihnen nichts Außergewöhnliches darstellen.
Bitte informieren Sie sich über unserer extra aufgeführten Rubrik darüber.
Beim Greyhound sollten die Zähne zwei- bis dreimal wöchentlich geputzt werden, da sie zu Bildung von Zahnstein neigen. Die Fütterung von geeignetem Kaumaterial wie Trockenpansen etc. kann helfen, die Zahnsteinbildung zu mindern. Der Tierarzt muss entscheiden, ob der Zahnsteinbefall so ausgeprägt ist, dass er entfernt werden muss.
Die Fellpflege ist beim Greyhound denkbar einfach. Bürste oder Fellpflegehandschuh sollten ab und zu eingesetzt werden, da die Fellpflege ja auch sehr willkommen ist bei den Hunden. Von Hund zu Hund verschieden ist das Wachstum der Nägel. Bei sehr starkem Wachstum müssen die Krallen regelmäßig alle 4 Wochen mit einer Krallenzange geschnitten werden. Dies kann man nach Einweisung durch den Tierarzt durchaus auch selbst erledigen. Wie alle Hunde sollte der Greyhound eine umfassende Impfung erhalten, einen Zeckenschutz und regelmäßig entwurmt werden.
Die Lebenserwartung von Greyhounds liegt zwischen 12 und 14 Jahren.

Die Ausstattung
Der Greyhound wünscht sich ein weiches, passend großes Hundebett, für die ersten Wochen eine Doppelsicherung durch Hundegeschirr und Halsband, einen Maulkorb (für alle Fälle) und eine Leine. Zur Zahnreinigung benötigt er eine Zahnbürste mit Hundezahncreme oder eine Zahnrubbelbürste und für den Winter, für sehr kalte Tage, einen Hundemantel.
Es wird unbedingt empfohlen, eine Haftpflichtversicherung für Hunde abzuschließen, was auch in Nordrhein-Westfalen Pflicht für Hunde über 40 cm Schulterhöhe und 20 kg Körpergewicht.


Fütterung

Individuelle Fütterungsanweisungen zu den von uns zur Vermittlung stehenden Hunden werden Ihnen mitgegeben – abgestimmt auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Hundes! Eine Fütterung sollte zweimal täglich erfolgen mit Trockenfutter und/oder Frischfleisch, tief gefroren und aufgetaut oder aus der Dose. Es können auch Quark oder Hüttenkäse, ab und zu 1 Ei und etwas Olivenöl/Leinöl ins Futter gegeben werden. Ebenso kann man ihm geriebene Äpfel und zerdrückte Bananen anbieten. Knabbereien und Leckerli als Belohnung sollten immer maßvoll und mit Vernunft geben werden.